In den Spuren des Meisters

Eine moderne Heldenreise in die Welt der Wirtschaft

Vorträgen prominenter Referenten zuhören und so „von den Besten“ profitieren – 47 000 Menschen im Saarland haben seit 2005 an den `Impuls-Reihen Saarland`, Unternehmen Erfolg, Saarbrücker Zeitung und IHK Saarland teilgenommen. Im November 2013 startete `Impuls 2013`.

Mit wieder 10 Rednern – eine davon war Raphaela Dell.

Interview

BACKGROUND: Frau Dell, was verbindet Sie mit Shakespeare und seinem Werk?
DELL: Meine erste Erinnerung an Shakespeare: „Kiss me Kate“, das amerikanische Musical nach dem Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“; ich muss vier Jahre alt gewesen sein, als ich zu dieser mitreißenden Musik durch das Wohnzimmer tanzte. Da gibt es auch den Song: „Schlag nach bei Shakespeare, denn da steht was drin…“ 47 Jahre später ist er eines meiner Leitmotive. Und dann habe ich natürlich Shakespeare gespielt. Meine Lieblingsrolle war „Rosalinde“ in „Wie es Euch gefällt“, eine so genannte Hosenrolle. Als ich anfing, als Coach und Trainer zu arbeiten, begegnete mir Shakespeare wieder – zuerst in Form von dejá-vues, später in Unternehmen und Meetings. Irgendwann, eher zufällig, fiel es mir in einem schwäbischen Unternehmen wie Schuppen von den Augen. Dort gab man „König Lear“: Ein Patriarch, als wäre er Shakespeares Feder entsprungen, will sein Haus bestellen und fragt seine Familie und engsten Mitarbeiter im übertragenen Sinn: Wer liebt mich am meisten? Wer folgt mir am besten?

BACKGROUND: Muss man ein versierter Shakespeare-Kenner sein, um ihren Ansatz zu verstehen?
DELL: Nein, überhaupt nicht. Ich möchte fast sagen, bloß nicht. Weder Wissensabfrage noch Mitmachtheater findet statt. Alles, was die Gäste meiner Keynotes beziehungsweise die Teilnehmer meiner Masterclasses an Expertise brauchen, bekommen sie von mir. Eine spannend erzählte Geschichte, z.Bsp. „Henry V.“, unterstützt von Filmclips – und der Transfer in den beruflichen Alltag ergibt sich wie von selbst. Die Motive und Treiber, die Shakespeares Helden und Antihelden ticken lassen, sind atemberaubend aktuell. Die Konflikte und Probleme des damaligen Führungspersonals sind die gleichen wie heute. Wie unter der Lupe sieht man die Fehleinschätzungen, die Stärken und Schwächen, wovor man sich hüten sollte, was Macht mit einem macht… Es gibt keinen, der uns mehr über die menschliche Natur beibringen kann. Wer die Welt verstehen will, der muss Shakespeare lesen – oder in meine Vorträge kommen.

BACKGROUND: Warum funktionieren diese Texte, die um 1600 verfasst wurden, heute immer noch so gut?
DELL: Zunächst einmal ist Shakespeare der Triumph der Populärkultur. Das Londoner Theater der Renaissance war eine Unterhaltungsindustrie, vergleichbar mit Hollywood heute. Shakespeare arbeitete als Boulevardtheater-Unternehmer, der mit seinen wie am Fließband produzierten Stücken zu einem Vermögen kam. Er wollte Tickets verkaufen, und es war zunächst der Publikumsgeschmack, der ihm die Eigenheiten seiner Dramaturgie diktierte. Das einfache Publikum störte sich nicht an Zeitsprüngen, an der Vervielfältigung von Handlungssträngen, an der Vermischung von komischen mit tragischen Elementen. Im Gegenteil: Es fand die Formbrüche unterhaltend. Und dann hat Shakespeare Geschichten geklaut, wie eine Elster. Nur zwei Stücke sind ganz alleine aus seiner Feder, „Sommernachtstraum“ ist eines davon. George Bernhard Shaw hat mal gesagt: „Shakespeare war so lange ein guter Dichter, wie die Geschichte vorher schon von jemand anderem erzählt worden ist“… ja, genau… Shakespeare konnte das ungehobene Potential von guten Geschichten erkennen. Und sie dann ungleich spannender neu erzählen. Heute nennt man das „Scriptdoctor“. Nicht der Plot ist die Innovation, sondern der angemessene Umgang mit ihm.

BACKGROUND: Schauspielerin, Moderatorin, Managementtrainerin, Coach, Medienconsultant – Sie haben sich äußerst breit aufgestellt. Hat das nicht viel Kraft und Zeit gekostet?
DELL: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ Mein Leben war nicht immer leicht; sowohl persönliche als auch berufliche Herausforderungen haben mich oft an die Grenze meiner Belastbarkeit geführt, aber dadurch konnte ich auch wachsen. Das ist doch der Sinn des Lebens überhaupt – zumindest für mich. Deshalb fühle ich mich auch in den Konzepten C.G.Jungs geborgen. Wir sollen lernen,immer lernen, bis ans Lebensende. Das Leben an und für sich ist ein Labor… Übrigens,es ist kein Zufall, dass man Jungs Konzepte auch bei Shakespeare wieder findet…

BACKGROUND: Wie kam’s, dass Sie in den Business-Kontext gegangen sind?
DELL: Das war Zufall. Mit knapp 40 stellte sich die Frage, ob das Leben, das ich führe, wirklich das ist, das ich führen möchte. Nach dem Ausstieg aus meiner damaligen Serie und Abschaffung der Ansagerinnen blieb zuerst ein Vakuum, und ich machte mich auf einen Weg, den ich noch nicht kannte. Gisela Marx, die Journalistin und Produzentin, rief mich dann eines Tages an und fragte, ob ich ihre Firma filmpool unterstützen könne. Und plötzlich saß ich wieder im Sattel und konnte wirksam sein. Es dauerte gar nicht lange, bis Peter Weil, Wirtschaftspsychologe und Geschäftsführer mdes Institutes für angewandte Kreativität in Köln, auf mich aufmerksam wurde und begann, mich als Mentor zu begleiten. Ich machte eine Ausbildung zum Managementtrainer und näherte mich langsam auch den Unternehmen an. Wieder hieß es lernen, lernen, lernen. Jedes Unternehmen hat seine Sprache und seine Kultur… Shakespeare half mir, mich zu sortieren und klar zu sehen.

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„Hätten Sie vor 30 Jahren gesagt, dass ich mal so unterwegs sein würde, hätte ich Sie für verrückt gehalten“
RAPHAELA DELL

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BACKGROUND: Wie wichtig ist für die Ausübung Ihres Berufs als Coach, dass Sie jahrelange Erfahrungen als Schauspielerin am Theater, bei Film und Fernsehproduktionen haben?
DELL: „All the world´s a stage and men and women merely players“, sagt der Jacques in meinem Lieblingsstück „Wie es Euch gefällt“… Lese ich heute mein Leben rückwärts auf dem Zeitstrahl, macht alles Sinn. Ich kann alles brauchen, was ich gelernt habe. Der Beruf als Schauspielerin war der Beginn. Wie sagt Shakespeares Hamlet treffend: „Die Schauspieler sind der Spiegel und die abgekürzte Chronik des Zeitalters.“

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BACKGROUND: Wie sieht ein Training beziehungsweise Coaching bei Ihnen aus und was ist „special“ im Vergleich zu anderen Angeboten?
DELL: „All things are ready, if our minds be so!“ Alle Dinge sind bereit, wenn unsere Herzen es sind. Nur dann ist dauerhafte Änderung von Verhalten möglich. Ich versuche, aus der Vielfalt der Möglichkeiten und mit gesundem Menschenverstand eine Lösung zu finden, die dem Kunden hilft, seine Ziele zu verwirklichen. Jeder Mensch ist der Architekt seiner eigenen Realität. Das ist meine konstruktivistische Grundhaltung.

BACKGROUND: Wie würden Sie Ihre Arbeitsweise in Kürze beschreiben?
DELL: To inform, to educate, to inspire! Eine einfache Grundformel …von Steve Jobs Wenn man die beherzigt, kann man kaum noch was falsch machen. Übrigens funktionieren auch alle großen Shakespeare-Reden so: was das Herz nicht berührt hat, kann der Verstand nicht aufnehmen.

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BACKGROUND: Nehmen Sie eigentlich Fortbildungsmaßnahmen wie Workshops oder Seminare in Anspruch, um Ihre Techniken zu verbessern – oder wie versuchen Sie, sich weiter zu entwickeln?
DELL: Na klar. Das gehört zum Berufsbild der Trainer unbedingt mit dazu. Vor kurzem ist meine vierjährige Fortbildung über analytische Psychologie nach C.G. Jung zu Ende gegangen.
Ich überlege gerade, ob ich noch mal studiere oder tiefer in die Organisationslehre und strategische Beratung eintauche…je älter ich werde, desto größer mein Wissensdurst. Es macht keine Mühe, es kommt von innen. Lernen macht mich glücklich.

(Auszug aus einem Interview mit Background, November 2013)

 

Shakespeare goes Business gibt´s in folgenden Formaten

Multimediale, interaktive Vorträge: Schlag nach bei Shakespeare

´ Will they come when you call ? ´ Henry V. und seine Reifung vom verspielten Prinzen zum inspirierten König
´ Shakespeare und Wertebewusstein ´ Von Julius Cäsar bis King Lear – 7 Werte – 7 Führungsstile
´ Shakespeare und Innovation ´ Nicht die Idee ist die Innovation, sondern der angemessene Umgang mit ihr

Meisterklasse-Seminare:

Die 4 Gesichter der Führung

  • Persönlichkeitsentwicklungstraining f. Menschen in leitenden Positionen
  • Charisma kann man lernen – Führen durch Ausstrahlung – Präsentieren in Excellenz
  • Leseprobe – eine Denkschule mit verteilten Rollen